Historie des Kloster Herrenalb

© MH

© MH

Von Dr. Kurt Andermann:

Gestiftet wurde das Zisterzienser-Kloster Herrenalb (Patrozinium der Muttergottes) um die Mitte des 12. Jh. durch Berthold von Eberstein, den Angehörigen einer vor allem in der nördlichen Ortenau und im unteren Murgtal begüterten Dynastenfamilie, die wenig später in den Rang von Grafen aufgestiegen ist und sich hier ein Hauskloster mit Grablege geschaffen hat. Die Gründungsurkunde von angeblich 1148 liegt nur in einer verfälschten Abschrift von 1270 vor. Der Gründungskonvent kam aus Neuburg im Unterelsass. Herrenalber Tochtergründungen gibt es nicht, und abgesehen von der späten Paternität über Kloster Lichtenthal (um 1490-1534) ist auch von abhängigen Frauenklöstern nichts bekannt.

 

Die Vogtei lag zunächst bei der Stifterfamilie. Eine königliche Entscheidung von 1275 bestätigte zwar die Ebersteiner und deren Abkömmlinge in ihrer Rolle als Schirmer, stellte jedoch dem Konvent anheim, wen im einzelnen aus diesem Kreis er mit der Aufgabe betrauen wollte. So gelangte der Schutz 1289 an die Markgrafen von Baden und 1338 an die Grafen von Württemberg. Obgleich Baden seine Ansprüche nicht aufgab (Markgraf Bernhard I., 1364-1431, errichtete in der Klosterkirche sein Kenotaph), blieb die Schirmherrschaft in württembergischer Hand und der Abt wurde zu den Landständen gezogen. Der Ende des 15. Jh. unternommene Versuch, wieder in die Obhut Badens zu wechseln, führte 1497 zum Kompromiss, bei dem freilich Württemberg die Oberhand behielt. Nachdem Herzog Ulrich die Reformation eingeführt hatte, mussten 1536 alle Mönche das Kloster verlassen; der letzte Abt starb 1546 in Stuttgart. Die nach 1556 eingerichtete Klosterschule wurde bereits 1595 wieder geschlossen.

 

Die älteste Begüterung Herrenalbs lag einerseits im waldreichen Albtal, andererseits in und um Ottersweier in der Ortenau. Weitere Schwerpunkte bildeten sich sodann um Malsch in der Rheinebene, um Langensteinbach auf den nördlichen Schwarzwaldrandplatten, um Bruchsal, um Oberderdingen im Kraichgau, um Vaihingen an der Enz sowie um Merklingen im Stroh- und Schlehengäu heraus. Eine wirkungsvolle Konzentration seiner derart verstreuten Güter und Rechte ist dem Konvent nie gelungen; seine Wirtschaftskraft war daher stark beeinträchtigt. Der einzige klösterliche Stadthof (Speyer), der eine Teilnahme am überregionalen Handel ermöglicht hätte, wurde 1446 veräußert.

 

Die Ausmaße der einstigen Gesamtanlage sind nur noch archäologisch zu erschließen. Von der im späteren 12. Jh. vollendeten Klosterkirche haben sich Reste der Vorhalle mit zum Teil romanischen Bauelementen und dem Westgiebel erhalten, dazu der spätgotisch erneuerte Chor, der seit 1739 als evangelisches Gotteshaus dient. An alter Substanz existieren darüber hinaus zwei Speicherbauten mit teilweise romanischem Mauerwerk sowie Reste eines Befestigungsturms mit Buckelquadern.

Einzelne Spolien sind anderwärts bewahrt, so vor allem die früher über dem Klostertor angebrachte Kreuzigungsgruppe aus dem späten 15. Jh. im Schlosshof von Neueberstein im Murgtal; in Merklingen und Oberderdingen gibt es noch bemerkenswerte Reste der dortigen Pfleghöfe.

 

Auch die Zeugnisse vom geistigen Leben des Klosters sind überaus spärlich. Wenig mehr als zwanzig Handschriften und etwa ein halbes Dutzend Drucke aus der Klosterbibliothek, zumeist liturgische Texte aus dem 15. und frühen 16. Jh., werden heute in Lichtenthal, Karlsruhe, Stuttgart und Berlin verwahrt. In Ottersweier (Maria Linden) und Durmersheim (Maria Bickesheim) bestehen noch immer Wallfahrten, die auf die Initiative der Herrenalber Zisterzienser zurückgehen. 
 
Aus: Württembergisches Klosterbuch, hg. von W. Zimmermann
und N. Priesching, Ostfildern 2003, S. 273-275"

Kloster-Forschung Herrenalb

© MH

 

Weitere Quellen zur Klostergeschichte finden Sie: