Das religionspädagogische Projekt

Schüler auf Spurensuche der weißen Mönche in Bad Herrenalb

Wer sind die Zisterzienser? Woher kamen sie? Wie lebten sie? Warum sind sie bekannt für die Herstellung von Büchern? Wie wurden Bücher früher hergestellt? Welche Materialien fanden Verwendung? Wer durfte schreiben?

 

 Diese und andere Fragen werden in einem Projekttag den Besuchern erklärt und praktisch ausprobiert.

 

Einen interessanten Hörbeitrag der Agentur für Privatradio / Evangelisches Medienhaus GmbH über das Projekt können Sie hier hören:

 

Die weißen Mönche von Bad Herrenalb.mp3

 

Ein Flyer kann dazu im Ev. Pfarramt angefordert werden.

Ein Tag im Kloster

Kevin schrieb mit der Gänsefeder

Das Scriptorium der Herrenalber Klosterkirche erlebte eine Premiere

 

Bad Herrenalb ist aufs Engste verknüpft mit seinem ehemaligen Zisterzienserkloster ALBA DOMINORUM. „Lebendiges Lernen“ ermöglicht den Schülern einen sachlichen und spirituellen Zugang zur örtlichen Vergangenheit.

Das des großen Interesses des Herrenalber Rektors Herrn Irmfried Lauinger sowie der Klassenlehrerin der Klasse 4a, Frau Anita Sauter, war es erstmals möglich dieses religionspädagogische Angebot am Mittwoch, 17. Dezember 08 umzusetzen.

 

Nach einer morgendlichen Erfahrung, wie denn der Kirchenbau auf sie wirke, was es in der Klosterkirche zu entdecken gibt, erfuhren die Kinder vom Leben, Singen, Beten, Gotteslob, aber auch der harten Arbeit in diesem Kloster ALBA DOMINORUM, versuchten sich im Singen einer kurzen Weise in lateinischer Sprache (mit Erfolg!) und schlüpften anschließend alle in eine weiße Kutte mit Kapuze und verwandelten sich so in kleine weiße neue Zisterziensermönche.

 

Einen ganzen Vormittag verbrachten die Kinder in einer – nach alter Tradition eingerichteten mittelalterlich ausgestatteten Schreibstube unter der sachkundigen Anleitung von Frau Pfarrerin Fried und der großen Aufgeschlossenheit und Mitgestaltung der Klassenlehrerin, Frau Sauter. Sie erfuhren etwas über frühe Schreibformen und alte Techniken, über das Lesen und Erkennen alter Buchstaben, über unbekannte Materialien (Pergament, Leim, Farben).

 

Höhepunkt bildete die kreative Eigenarbeit im Schreiben mit der Gänsefeder, in der Erfahrung mit der Problematik einfacher Schreibmaterialien. Die Kinder spürten in ihren eigenen Händen die Anstrengung dieser mönchischen Arbeitsvorgänge, das „LABORA“. Sie wurden in aller Begeisterung ständig von Nachrichten des Adeodatus, eines Klosterschülers mittelalterlicher Zeit begleitet, der sie mit hinein genommen hat in sein Leben und seine Schule im Kloster, der auch sein Essen mit ihnen teilte: getrocknetes Obst und Brot ohne alles.

 

Überrascht waren anwesende Beobachter von der Konzentration und Ruhe der Kinder bei allen Arbeitsvorgängen. „Guck mal, das sieht echt alt aus, was ich da geschrieben habe!“, bemerkte einer der 9-jährigen Jungen. „Wir schreiben ja richtig heilige Buchstaben!“, ein anderer. „Dürfen wir das denn auch mit nach Hause nehmen?“, wollte eines der Mädchen wissen. Das durften sie denn auch: den Spruch aller Zisterzienser auf lateinisch: PORTA PATET – COR MAGIS: „Die Tür ist offen, das Herz weit mehr!“

Die Zisterzienser

2006 Tagung der Evang. Zisterziensererben in Deutschland - Rückkehr der Zisterzienser nach Bad Herrenalb?

Sie trugen weiße Kutten mit Kapuzen, zusammengehalten mit einer Schnur – darüber – fast möchte man sagen – eine schwarze Arbeitsschürze, einen Überwurf, das Skapulier. Es fiel wie in breiten Bändern über die Schultern.

Wenn sie schweigend einher schritten, verbargen sie Hände und Arme in den weit geschnittenen Ärmeln ihres Gewandes. Nach diesem nannte man sie die „weißen Mönche“ – gemeint sind die Mönche des wohl einflussreichsten mittelalterlichen Ordens: Die Zisterzienser.

 

Getreu den Regeln des heiligen Benedikt lebten sie nach der Forderung ORA ET LABORA – bete und arbeite. Eine harte Arbeit verrichteten sie in den Schreibstuben, den Scriptorien ihrer Klöster, in denen Europas wichtigstes Kulturgut der Zukunft entstand: Bildung schlechthin – durch die Entstehung von Büchern.

 

Während eine Gruppe von Mönchen damit beschäftigt war, aus Tierhäuten die wertvolle Arbeitsgrundlage, das Pergament, herzustellen, andere Pigmente für Farben rieben, verbrachten noch weitere ihre Zeit mit dem mühevollen Schreibvorgang: wohlgeordnet auf vorgegebenen Linien mit Federkiel und Tinte 6-8 Seiten – das war etwa das Tagespensum für Handgeschriebenes – herzustellen.

 

Bad Herrenalb ist gründungsmäßig mit dem Zisterzienserkloster ALBA DOMINORUM verbunden. In seinem Scriptorium entstand 1481-1483 unter der Leitung des Kantors Jörg Zürn eine reich bebilderte, auf 103 Pergamentseiten handschriftlich in lateinischer Sprache festgehaltene Schrift, das „Herrenalber Gebetbuch“, das zu den bedeutenden mittelalterlichen Buchdokumenten gehört.