Ehem. Abtei Herrenalb tritt der "Charte européenne des Abbayes et Sites Cisterciens" bei
EINE SANDSTEINSTELE MIT PLAKETTE weist Bad Herrenalb als Mitglied im Netzwerk der Zisterzienserklöster aus. Unser Foto zeigt von links Bürgermeister Norbert Mai, Pfarrer Georg Kalckert vom Kloster Heisterbach und Pfarrerin Brigitte Fried aus der Kurstadt. Foto: bgr
Grusswort des deutschen Vorsitzenden der
Charte européenne des Abbayes et Sites Cisterciens
Pfarrer i. R. Georg Kalckert
Meine Damen und Herren!
Mit dem symbolischen Akt der Präsentation des Logos möchten wir den Beitritt der ehemaligen Abtei Bad Herrenalb zur
"Charte européenne des abbayes et sites cisterciens" bekunden. Als Vertreter des Vorstandes und des Präsidenten darf ich die ehemalige Abtei Bad Herrenalb in der Charte herzlich willkommen heißen.
Wir freuen uns über diesen Schritt und verbinden damit alle guten Wünsche für ein fruchtbares Miteinander in unserer europäischen Gemeinschaft.
Über 160 Abteien und Orte der Zisterzienser gehören bis jetzt zur Charte, die nunmehr deutlich ihre frankophonen Grenzen überschreitet und damit wirklich europäisch wird.
Die Charte hat ihren Namen bewusst gewählt, sie bezieht sich auf die Charta Caritatis der Gründungsgeschichte des Zisterzienserordens, die der dritte Abt von
Citeaux, Stephan Harding, als rechtliche Grundverfassung des Ordens schuf und die am 23.12.1119 die päpstliche Bestätigung erhielt.
Heute wird man den Begriff "Netzwerk" gebrauchen, wenn man die Grundidee der Charta Caritatis wie der Charte européenne auf einen Nenner bringen will. Friede und Einheit des Ordens lagen Stephan Harding am Herzen. Zisterziensische Grundgedanken sollen das Miteinander der bestehenden wie der untergegangenen Zisterzienserstätten in der Charte prägen und bewegen.
Dies geschieht zum Beispiel dadurch, dass jährlich das "Generalkapitel" der Charte - die "assemblée générale" - veranstaltet wird, die zu einem intensiven Austausch wie zu einer herzlichen Begegnung führt. In vergangenen Jahr fand die Begegnung in La Ramée in Belgien statt, in diesem Jahr ergeht die Einladung nach Alcobaca in Portugal. Begriff und Wirklichkeit des Miteinanders sind durch das Stichwort der Ordensverfassung "Caritas" definiert.
Sicher fragt man heute sehr bald nach dem praktischen Nutzen und damit für Menschen von heute nach dem Sinn dieser Gemeinschaft, die vor 30 Jahren in Pontigny auf Initiative des Architekten und späteren Bürgermeisters von Bar-sur-Aube Jean-Francois Leroux gegründet wurde. Legen wir den Gedanken eines vereinten Europas zugrunde, das seine Jahrhunderte tiefen Wurzeln nicht verleugnen oder vergessen darf, dann ist die Charte ein entscheidendes Element, aus der Erfahrung der Vergangenheit heraus eine neue friedliche und zukunftsweisende Lebensmöglichkeit für die Menschen dieses Kontinents zu schaffen. Diese neue Lebensqualität, die aus dem Bewusstsein der eigenen Geschichte kommt, schafft nicht irgendwelche Gesetze oder Verordnungen, auch nicht, wenn sie aus Brüssel kommen.
Europa ist nur soviel wert und soweit lebensfähig in Zukunft, wie zu den rein ökonomischen Fortschritten, die sicher unabdingbar sind und Millionen Menschen ein menschenwürdigeres lebenswertes Leben geschaffen haben und weiterhin schaffen werden, zugleich solche Werte in den Vordergrund treten und gelebt werden, die den Menschen als ganzheitliches Wesen ernst nehmen. Hierzu leistet die Charte sicherlich einen guten Beitrag.
Die Charte ist offen für die verschiedenen Menschen und Gruppen, die sich sehr konkret und real mit den Zisterziensern über bestimmte Orte verbunden fühlen. Deshalb ist es wichtig, Inhalte aus dem Geist der Zisterzienser, wie sie aus Schriften und Bauten, aus der Geschichte und Überlieferung des Ordens zugänglich sind, den Menschen von heute - zuerst den Mitgliedern der Charte selbst, durch das Dasein und Wirken der Charte aber zugleich den Besuchern der Zisterzienserstätten und allen Interessierten zu erschließen und zugänglich zu machen.
Fragen wir nach den praktischen Seiten der Mitgliedschaft in der Charte, müssen wir nach Frankreich schauen. Es gibt jetzt in zweiter Auflage die Straßen- und Landkarte "Abbayes cisterciennes en France", in der die Mitglieder der Charte eingezeichnet sind und zudem ein Foto und eine Kontaktanschrift zu finden ist. Eine ähnliche Karte werden wir für Deutschland versuchen, wenn noch einige weitere Zisterzienserorte der Charte beitreten - wir haben bis jetzt in Deutschland 17 Mitglieder.
Die Charte hat in Frankreich einen "Routier cisterciens" herausgegeben, in dem fast alle französischen, belgischen und schweizerischen, also die frankophonen Abteien und Orte zusammengefasst präsentiert sind.
Die Charte betreibt eine eigene Internetseite "
cister.net", in der sich jedes Mitglied einstellen kann. Neben allgemeinen und alle betreffenden Aktivitäten ist es natürlich möglich, dass die Mitglieder eines bestimmten Raumes oder einer historischen Landschaft sich zusammenfinden, um eigene Initiativen zu entwickeln, wozu besonders die Ausbildung von geeignetem Führungspersonal gehören kann oder die Herausgabe eigener Informationen, wie es etwa für die Normandie mit dem schönen kleinen Führer "Route cistercienne en Normandie" erfolgt ist. Hier ist der Raum für viele Initiativen und gemeinsame Bemühungen vorhanden, den die Mitglieder dann nur nutzen müssen. Die Charte bietet dafür einen ausgezeichneten Rahmen.
Nur am Rande sei ein weiterer Vorteil erwähnt: Für ganz große und teure Projekte an den Zisterzienser-Orten, für die dann Mittel der Europäischen Union eingesetzt werden sollen, ergibt sich eine praktische Möglichkeit. Für solche Unternehmungen muss man zwei weitere europäische Länder ins Boot nehmen - die Charte bietet eine gute Kooperationsmöglichkeit.
Das
Logo der Charte soll - zusammenfassend betrachtet - ein gutes Signal für die Besucher sein. Es soll anzeigen, dass der Besucher hier willkommen ist, nicht nur irgendwie, sondern mit großer Herzlichkeit. Das Logo spricht von der Caritas, die Kennwort des Christentums und der Lebensmaximen des Zisterzienserordens durch die Jahrhunderte gewesen ist bis heute - Caritas gerade auch für Menschen, die ihr Leben auf eine besonders sinnvolle Grundlage stellen möchten.
Nochmals herzlich willkommen; der ehemaligen Abtei ALBA DOMINORUM und jetzigen Gemeinde Bad Herrenalb Gottes Segen und allen Besuchern die Begegnung und Erfahrung der nicht immer üblichen, aber einzig wichtigen Wirklichkeit - der Caritas.
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